Holzminden (red). Im Vorfeld seines Landtagsstammtischs zum Thema „Haltung zeigen – Gesellschaft gemeinsam gestalten“ hat der CDU-Landtagsabgeordnete Uwe Schünemann Gespräche mit Vertreterinnen und Vertretern von Kirche und sozialen Einrichtungen geführt. „In diesen herausfordernden Zeiten ist soziales Engagement ein entscheidender Stabilisator“, erklärte der CDU-Politiker. Deshalb werde dieses Thema beim Landtagsstammtisch am 12. März um 19 Uhr im create:hub im Mittelpunkt stehen.
Gespräche über Obdachlosigkeit und soziale Hilfe
Nach Angaben Schünemanns nimmt die Zahl der obdachlosen Menschen stetig zu. Diese Einschätzung habe ihm die ambulante Hilfe für Wohnungslose geschildert. Die Ursachen seien vielfältig. „Niemand ist davor gefeit“, fasste der Abgeordnete Gespräche mit Betroffenen zusammen.
Seit dem Umzug in die „Halbmondstraße“ in Holzminden stehe tagsüber ausreichend Raum für einen Aufenthalt zur Verfügung. Eine Hauswirtschafterin sorge dort für Kaffee und ein warmes Mittagessen und werde von den Besuchenden als gute Seele bezeichnet. Zudem gebe es Möglichkeiten zum Duschen, Wäschewaschen und zur Versorgung mit Dingen des täglichen Bedarfs.
Unter der Trägerschaft der Diakonie stehen zwei Sozialarbeiterinnen und ein Sozialarbeiter für eine Erstberatung oder auch eine längerfristige Begleitung zur Verfügung. Ziel sei es, ein selbstständiges Leben zu fördern. Allerdings werde es nach Einschätzung der Beteiligten auch in Holzminden zunehmend schwieriger, Wohnungen zu vermitteln. „Ich werde prüfen, ob die kommunale Baugesellschaft hier unterstützen kann“, kündigte Schünemann an. Beschwerden über Zustände in der Notunterkunft am „Pipping“ habe er an den Bürgermeister weitergeleitet, der noch am selben Tag reagiert habe.
Kirche und Politik in gesellschaftlichen Debatten
Mit der Superintendentin des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Holzminden-Bodenwerder, Christiane Nadjé-Wirth, sprach Schünemann über die Rolle der Kirche in Krisenzeiten. Wichtig sei es, den Menschen Halt und Orientierung zu geben. Dafür stelle die Kirche Räume für Begegnung und Dialog bereit. Eine zentrale Aufgabe bestehe darin, Nächstenliebe, Solidarität und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu vermitteln.
„Allerdings stehen wir selber vor Veränderungen“, erklärte Nadjé-Wirth. „Strukturen verändern sich, Mitgliederzahlen gehen zurück und neue Formen des Miteinanders entstehen.“ Die Kirche als Institution müsse sich weiterentwickeln, ihre Stimme werde jedoch weiterhin in gesellschaftlichen Debatten hörbar bleiben.
Schünemann zog Parallelen zwischen Kirche und Politik: „Wie die Politik ist auch die Kirche gefordert, ihre Werte und Kernbotschaften zeitgemäß zu kommunizieren.“ Orientierung in einer zunehmend komplexen Welt zu geben, werde dabei als Herausforderung gesehen, insbesondere angesichts der wachsenden Bedeutung sozialer Medien. Fragen der digitalen Ethik an Schulen sowie ein mögliches Social-Media-Verbot seien in den Gesprächen nur angerissen worden und sollen beim Landtagsstammtisch weiter diskutiert werden. Dort werde unter anderem der Abt von Amelungsborn, Dr. Stephan Schaede, teilnehmen.
Inklusion und Bildungschancen
Ein weiteres Thema des Abends soll die Inklusion sein. Dazu hat Schünemann das Regionale Beratungs- und Unterstützungszentrum Inklusive Schule (RZI) besucht. Die Leiterin Friederike Schreck stellte dort ein Netzwerk von Kooperationspartnern vor, das eine individuelle Betreuung der Kinder ermöglichen solle.
Vertreterinnen und Vertreter des Landesschulamtes aus Holzminden und Hannover verwiesen auf die Bedeutung sonderpädagogischer Fachkompetenz an möglichst jeder Schule. Gleichzeitig bestehe jedoch ein Mangel an ausgebildeten Förderschullehrkräften.
„Um den Kindern eine faire Bildungschance zu ermöglichen, müssen erheblich mehr Studienplätze angeboten werden“, forderte der Landtagsabgeordnete. Ein Numerus Clausus von 1,6 für diesen Bereich sei aus seiner Sicht nicht akzeptabel.
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