Holzminden (red). Ein Pflichtjahr für Senioren – diese Idee wird aktuell in den Medien diskutiert. Grundlage ist ein Interview des Soziologen Klaus Hurrelmann im SPIEGEL (Nr. 30 / 18.07.2025). Darin forderte er ein verpflichtendes Dienstjahr am Ende des Arbeitslebens, um die junge Generation zu entlasten. Unterstützung erhielt er dabei unter anderem vom DIW-Chef Marcel Fratzscher, der „mehr Solidarität der Alten“ einforderte.
Kritik an Zwangsverpflichtung
Der Seniorenrat Holzminden positioniert sich klar gegen eine solche gesetzliche Pflicht. Er verweist auf die Stellungnahme des Landesseniorenrats Niedersachsen, wonach Senioren bereits heute in erheblichem Maße zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beitragen – sei es durch ehrenamtliches Engagement, familiäre Unterstützung oder Weiterarbeit über das Rentenalter hinaus.
„Die Alten als Bringschuldner darzustellen, ist falsch und durch nichts zu rechtfertigen. Viele haben jahrzehntelang gearbeitet, Steuern gezahlt und die Rente mitfinanziert“, heißt es. Ein verpflichtendes Dienstjahr würde die Selbstbestimmung im Alter verletzen und unnötig zu einer weiteren Spaltung der Gesellschaft führen.
Gefahr der Altersdiskriminierung
Der Seniorenrat warnt vor einer möglichen Altersdiskriminierung. Gerade nach körperlich anstrengenden Arbeitsjahren sei es nachvollziehbar, wenn Senioren das Ende ihrer Berufstätigkeit herbeisehnten. Eine Umfrage des NDR habe zudem gezeigt, dass kaum Interesse an einem verpflichtenden Engagement bestehe.
Engagement bereits vielfältig vorhanden
Der Seniorenrat verweist darauf, dass Senioren in Holzminden längst aktiv Verantwortung übernehmen – etwa in der Johanniter-Unfall-Hilfe, der Freiwilligen Feuerwehr, beim Roten Kreuz, im ZEE (Ehrenamt), in Vereinen oder im kirchlichen Bereich.
Fazit
Anstelle eines Pflichtjahres setzt der Seniorenrat Holzminden auf Freiwilligkeit und Wertschätzung. Programme, die das Miteinander von Jung und Alt fördern, seien der richtige Weg. „Statt Zwang sollte die gegenseitige Wertschätzung und Unterstützung in vielfältiger Weise zum Ausdruck gebracht werden.“