Holzminden/Höxter (red). Am 4. März 2026 fand in den Räumlichkeiten der Gas- und Wasserversorgung Höxter GmbH der jährliche Informations- und Erfahrungsaustausch zum Thema Trinkwasser statt. 65 Fachleute folgten der gemeinsamen Einladung von Dr. med. Ronald Woltering, Fachbereichsleiter Gesundheits- und Veterinärwesen beim Kreis Höxter, und Matthias Bieler, Geschäftsführer der Weserstadtwerke-Service GmbH.
Die Teilnehmerschaft spiegelte die gesamte Breite des Themas wider: Vertreterinnen und Vertreter von Wasserversorgungsunternehmen aus der Region – mit Schwerpunkt im Kreis Höxter –, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gesundheitsämter aus dem Kreis Höxter und benachbarten Kreisen, Krankenhaushygienikerinnen und -hygieniker sowie Chemikerinnen und Chemiker aus Trinkwasserlaboren nutzten die Veranstaltung zum fachlichen Austausch.
Schutz beginnt im Einzugsgebiet: Die Trinkwassereinzugsgebieteverordnung
Ein inhaltlicher Schwerpunkt lag auf der Trinkwasserhygiene und der Umsetzung der Trinkwassereinzugsgebieteverordnung (TrinkwEGV). Matthias Bieler sowie sein Kollege Till Hirte erläuterten, welche Anforderungen sich hinter dem komplex klingenden Begriff verbergen.
Im Mittelpunkt stehen Schutzmaßnahmen für Flächen und Gewässer, aus denen Trinkwasser gewonnen wird. Denn sauberes Wasser entsteht nicht erst im Wasserwerk – es beginnt in der Landschaft. Vorgestellt wurden strukturierte Risikoanalysen, Schutzkonzepte sowie organisatorische und technische Maßnahmen, mit denen Gefährdungen frühzeitig erkannt und minimiert werden können. Die Referenten machten deutlich: Prävention ist der effektivste Weg, um dauerhaft hohe Qualitätsstandards sicherzustellen.
PFAS: Hochkomplexe Analytik und offene Fragen
Großes Interesse galt dem Thema PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen), die aufgrund ihrer extremen Beständigkeit häufig als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet werden.
Dr. Liesener von der Westfälischen Wasser- und Umweltanalytik GmbH gab einen detaillierten Einblick in moderne Analyseverfahren. Diese ermöglichen inzwischen den zuverlässigen Nachweis selbst geringster Konzentrationen im Spurenbereich. Gleichzeitig verdeutlichte er die hohe Komplexität der Analytik sowie bestehende Herausforderungen beim Nachweis und bei der zukünftigen Regulierung dieser Stoffgruppe. PFAS wurden über Jahrzehnte in Industrie- und Alltagsprodukten eingesetzt und sind aufgrund ihrer chemischen Stabilität in der Umwelt kaum abbaubar.
Gesundheitliche Einordnung: Wann besteht Handlungsbedarf?
Die gesundheitliche Perspektive beleuchtete Dr. med. Woltering. Er ordnete aktuelle Messwerte aus belasteten Regionen Deutschlands wissenschaftlich ein und erklärte, ab welchen Konzentrationen konkrete Maßnahmen erforderlich werden.
„Trinkwasser ist unser wichtigstes Lebensmittel – und es ist unsere gemeinsame Aufgabe als Gesundheitsbehörde, Wasserversorger und Labore, dafür zu sorgen, dass das auch so bleibt. Gerade das Thema PFAS zeigt, dass wir nur durch engen fachlichen Austausch frühzeitig handeln können“, so Dr. med. Ronald Woltering, Fachbereichsleiter Gesundheits- und Veterinärwesen des Kreises Höxter.
Wasserqualität endet nicht am Wasserhahn
Dass Wasserhygiene weit über die öffentliche Trinkwasserversorgung hinausgeht, zeigten die Beiträge zur Schwimmbadwasseraufbereitung. Rietz, Sachverständiger für Schwimmbadtechnik, und Sous von der Sous Verfahrenstechnik Wasseraufbereitung GmbH stellten technische Verfahren und praktische Herausforderungen in Frei- und Hallenbädern vor.
Anhand praxisnaher Beispiele wurde deutlich, wie entscheidend die richtige Filtertechnik, eine kontinuierliche Überwachung und der sachgerechte Einsatz von Desinfektionsmitteln für die Sicherheit von Badegästen sind.
Etablierte Plattform für die Region
Die jährlich stattfindende Fachveranstaltung hat sich in den vergangenen Jahren als feste Austauschplattform in der Region etabliert. Sie bringt Behörden, Versorger, Labore, Krankenhaushygienikerinnen und -hygieniker sowie technische Expertinnen und Experten zusammen – mit dem gemeinsamen Ziel, die Trinkwasserversorgung langfristig auf höchstem Niveau zu sichern und sich auf neue regulatorische Anforderungen vorzubereiten.
„Wasserversorgung ist Daseinsvorsorge – und die funktioniert nur, wenn alle an einem Strang ziehen. Dieses Format bringt genau die richtigen Menschen zusammen, und die Resonanz von 65 Teilnehmenden zeigt, dass der Bedarf dafür groß ist“, stellte Matthias Bieler, Geschäftsführer der Weserstadtwerke-Service GmbH, abschließend heraus.
Foto: Kreis Höxter