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Sonntag, 31. Mai 2026 Mediadaten
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Holzminden (awin). Für zwei Tage wurde Holzminden zur Bühne für Heimat, Kultur und die Frage, wie eine gewachsene Kulturlandschaft Zukunft haben kann. Beim 105. Niedersachsentag, der am Freitag und Samstag unter dem Motto „Kulturlandschaft als Chance“ gefeiert wurde, rückte die Stadt nicht nur als Gastgeberin in den Mittelpunkt. Sie wurde auch zum Ort eines eindringlichen Appells: Das kulturelle Erbe Niedersachsens zu bewahren, weiterzuentwickeln und als Teil der eigenen Identität ernst zu nehmen.

Höhepunkt des Programms war die Festversammlung im Lichthof der HAWK am Samstagmorgen. Dort übergab der Niedersächsische Heimatbund (NHB) die ROTE und WEIẞE Mappe an die Landesregierung. NHB-Präsidentin Marlies Linnemann eröffnete die Versammlung gemeinsam mit Ernst Schrader, dem Vorsitzenden des Plattdeutschforums Südniedersachsen. Abwechselnd auf Hochdeutsch und Plattdeutsch begrüßten beide die zahlreichen Gäste aus Politik, Kultur und Verwaltung.

Für Linnemann war die Veranstaltung sichtbar mehr als ein offizieller Termin. Sie machte deutlich, wie besonders es für sie sei, den Niedersachsentag in ihrer Heimatstadt Holzminden auszurichten. Trotz aller Routine sei bei ihr seit Tagen große Aufregung zu spüren gewesen.

Begrüßt wurden unter anderem Falko Mohrs, Niedersachsens Minister für Wissenschaft und Kultur, Christian Meyer, niedersächsischer Minister für Umwelt, Energie und Klimaschutz, Sabine Tippelt, Vizepräsidentin des Niedersächsischen Landtages, Landrat Michael Schünemann, Bundestagsabgeordneter Johannes Schraps, Annika Jühne, stellvertretende Geschäftsführerin des Landschaftsverbands Niedersachsens, Holzmindens Bürgermeister Christian Belke sowie Cuxhavens Bürgermeister Thomas Brunken.

Heimat als Gefühl, Verwurzelung und Verantwortung

Anstelle klassischer Grußworte rückte eine Podiumsdiskussion das Leitmotiv „Kulturlandschaft als Chance“ in den Mittelpunkt. Christian Belke, Michael Schünemann, Annika Jühne und Sabine Tippelt sprachen darüber, was Heimat bedeutet und welche Verantwortung aus der Verbundenheit mit einer Region erwächst. Moderiert wurde die Runde von Prof. Dr. Jörg Lahner, Vizepräsident für Forschung und Transfer an der HAWK. Er übernahm kurzfristig für Dr. Hans-Eckhard Dannenberg, Vizepräsident des NHB, der aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen konnte.

Besonders emotional wurde es bei der Frage: „Was ist Heimat für Sie?“ Annika Jühne beschrieb Heimat als einen „variablen Begriff“, der „situativ unterschiedlich“ sei. Bei den anderen Podiumsgästen wurde vor allem die tiefe Verwurzelung mit dem Landkreis Holzminden deutlich. Für Michael Schünemann sei Heimat das Weserbergland: der Ort, an dem er wohne, an dem seine Freunde seien und an dem er sich wohlfühle.

Sabine Tippelt erklärte, ihre Antwort wäre bis 2008 eindeutig „der Flecken Delligsen“ gewesen. Seit ihrer Ernennung zur niedersächsischen Landtagsabgeordneten sei jedoch der ganze Landkreis Holzminden zu ihrer Heimat geworden. Sie kenne hier Menschen, Vereine und nahezu alle Veranstaltungen. Mit ihrer Heimat verbinde sie „tolle Menschen und eine wunderschöne Landschaft“.

Christian Belke beantwortete die Frage zunächst mit Zeilen aus dem Weserbogenlied: „Wo Holzminde, Forstbach in die Weser fließt, wo der schöne Ginster an den Hängen sprießt, wo der Wandrer müde ruht am Weg sich aus, da ist meine Heimat, da bin ich zu Haus.“ Danach wurde es persönlich. Er sei in Holzminden geboren, habe hier Kindergarten und Schule besucht, hier geheiratet, und seine Kinder seien hier zur Welt gekommen. „Holzminden, seine Menschen aus 104 verschiedenen Nationen und alle Gefühle, die ich damit verbinde – das ist Heimat“, sagte der Bürgermeister.

Zwischen den Programmpunkten sorgte das Quartett „Pyrmont Pops“ für musikalische Akzente. Mit Auszügen aus dem Programm „Welcome to Musical“ präsentierten Alexander Käberich, Stephan Gimenez, Iwona Tatarczyk und Andreas Vogt bekannte Musicalmelodien.

Eindringlicher Appell für das kulturelle Erbe

Die Festrede zur Übergabe der ROTEN und WEIẞEN Mappe hielt Marlies Linnemann. Im Zentrum stand der Umgang mit der Denkmalpflege. Dabei fand sie klare Worte: „Unser kulturelles Erbe ist einmalig. Ist es einmal zerstört, ist es für immer weg.“

Der NHB sei nicht grundsätzlich gegen Neubauten, machte Linnemann deutlich. Doch alte Gebäude müssten mehr Wertschätzung erfahren. Sie seien nicht bloß steinerne Zeugnisse vergangener Zeiten, sondern erzählten von Geschichte, Identität und dem Leben der Menschen vor Ort. Als positives Beispiel nannte Linnemann das Sensoria, dessen Museumskomplex ein aufwendig saniertes historisches Fachwerkhaus einbeziehe.

Ihre knapp 30-minütige Rede schloss sie mit der Forderung, dass alle für das kulturelle Erbe einstehen müssten. Dieses sei der Kitt der Demokratie.

Die Antwort der Landesregierung übernahm Falko Mohrs. Zu Beginn ging der Minister auf den Stopp des geplanten Neubaus der HAWK ein und versprach: „Wir wollen zeitnah eine Lösung für die HAWK und wir werden sie finden!“

Auch Mohrs griff das Thema Heimat auf. Viele Menschen hätten in Deutschland eine neue Heimat gefunden, auch wenn es Andersdenkende gebe, die ihnen das absprechen würden. In diesem Zusammenhang erinnerte er an den ersten Satz des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Zum Denkmalschutz sagte Mohrs, Ziel sei es, Denkmäler zu erhalten. Gleichzeitig müssten sie weiterentwickelt werden, wenn sie weiterhin nutzbar bleiben sollten. Umbauten und Veränderungen seien deshalb möglich. Denkmalschutz bedeute „erhalten, pflegen und weiterentwickeln“. Die ROTE und WEIẞE Mappe bezeichnete er als „ein vorbildliches“ Verfahren und als „direkten Austausch von Interessen“. Im Anschluss übergaben sich Linnemann und Mohrs die Mappen.

Der Blick geht nach Cuxhaven

Bevor die Veranstaltung mit einem Empfang in der Mensa endete, überreichten Christian Belke und Michael Schünemann Marlies Linnemann einen Blumenstrauß als Dank für ihre geleistete Arbeit. Anschließend richtete Thomas Brunken, Bürgermeister von Cuxhaven, eine herzliche Einladung an alle Beteiligten. Cuxhaven wird 2027 Gastgeber des Niedersachsentages sein.

Auch dort sollen Natur und Umwelt im Mittelpunkt stehen. Brunken machte deutlich, dass regionale Identität nicht nur in Landschaften, sondern auch in gelebten Traditionen sichtbar werde: „Wenn in Cuxhaven ein Krabbenkutter in den Hafen einläuft, ist das nicht nur Wirtschaft, sondern das ist Identität von Niedersachsen.“ Die Probleme der Fischerei müssten angesprochen und bekämpft werden.

Die offiziellen Abschlussworte sprach Florian Friedrich, Geschäftsführer des NHB. Er dankte für die Unterstützung in Holzminden und betonte, dass eine solche Umsetzung ohne dieses Engagement nicht möglich gewesen wäre. So endete die Festversammlung mit dem Blick zurück auf zwei besondere Tage in Holzminden – und mit dem Ausblick auf einen Niedersachsentag, der 2027 an der Küste fortgeschrieben wird.

Foto: awin

 

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