Neuhaus (zir). Mit Spaten und Setzlingen haben die Schülerinnen und Schüler der Grundschule Neuhaus am 18. März ein langfristig angelegtes Umweltprojekt begonnen. Auf einer Fläche der Niedersächsischen Landesforsten entsteht ein neuer Schulwald, der in den kommenden Jahren nicht nur zum Klimaschutz beitragen, sondern auch als außerschulischer Lernort genutzt werden soll.
Geplant ist die Pflanzung von insgesamt 10.000 Bäumen. Vorgesehen sind vor allem Eichen und Hainbuchen, am Rand außerdem Esskastanie, Wildkirsche, Wildapfel und Feldahorn. Hintergrund des Projekts sind auch die großen Schäden in den Fichtenbeständen im Solling, die vielerorts offene Flächen hinterlassen haben.
Vertrag sichert Zusammenarbeit für 30 Jahre
Parallel zur Pflanzaktion wurde eine langfristige Kooperation besiegelt: Grundschule, Forstamt und Stiftung Zukunft Wald wollen den neuen Schulwald in den nächsten 30 Jahren gemeinsam begleiten und weiterentwickeln. Der neue Wald soll dauerhaft für Unterricht, Projektarbeit und Naturerfahrungen genutzt werden.
Die Stiftung Zukunft Wald, eine Stiftung der Niedersächsischen Landesforsten, unterstützt das Vorhaben organisatorisch und finanziell. Nach Angaben der Stiftung bestehen in Niedersachsen bereits mehr als 90 Schulwälder, die gemeinsam mit über 70 Partnern entstanden sind. Schulen werden dabei über Jahrzehnte begleitet.
Elisabeth Hüsing, Direktorin der Stiftung Zukunft Wald, beschreibt die Bedeutung der gemeinsamen Pflanzaktion so: „Wenn über 70 Kinder, alle Lehrkräfte und lokale Ortswehren, gemeinsam Bäume pflanzen, entsteht weit mehr als ein Waldstück. Es entsteht ein Gemeinschaftsprojekt, das Verantwortung, Naturverbundenheit und Zukunftshoffnung verbindet. Für uns als Stiftung Zukunft Wald ist es etwas Besonderes zu sehen, wie eine ganze Gemeinde hinter ihrem Schulwald steht.“
Schulwald soll fest zum Schulleben gehören
An der Grundschule Neuhaus ist die Idee für den neuen Schulwald über einen längeren Zeitraum gereift. Die Schule nutzt bereits seit Jahren ein älteres Waldstück in der Nähe für Unterricht im Freien. Dort finden nach Angaben der Schule unter anderem Angebote für Sport, Kunst und Sachunterricht statt. Künftig soll der neue Schulwald diese Möglichkeiten erweitern. Geplant ist zudem eine Arbeitsgemeinschaft, in der Kinder die Entwicklung der Fläche regelmäßig begleiten und Pflegearbeiten übernehmen.
Stephanie Reimers, Lehrerin und BNE-Beauftragte der Grundschule Neuhaus im Solling, sieht darin einen besonderen pädagogischen Wert: „Unsere Schule nutzt schon seit vielen Jahren ein kleines, älteres Waldstück für Unterricht und Naturerfahrungen. Mit dem neuen Schulwald – den wir intern bereits ‚Schulforst‘ nennen – können unsere Schülerinnen und Schüler nun selbst aktiv Wald für die Zukunft gestalten. Es ist etwas ganz Besonderes, wenn Kinder erleben, dass aus ihren eigenen Pflanzungen ein Wald wächst, der sie vielleicht noch als Erwachsene begleiten wird.“
Die Grundschule ist als BNE-Schule ausgezeichnet. Das Vorhaben passt damit unmittelbar zum Profil der Schule, Umweltbildung nicht nur theoretisch zu vermitteln, sondern im Alltag erlebbar zu machen.
Unterstützung aus Forst, Gemeinde und Stiftung
Auch aus dem Forst und aus dem Ort kommt deutliche Unterstützung für das Projekt. Wolf Ebeling, Leiter des Forstamts Neuhaus im Solling der Niedersächsischen Landesforsten, erklärt: „Für uns als Forstamt ist es eine große Freude, das Schulwaldprojekt nun auch in Neuhaus umzusetzen. Der Solling steht – wie viele Wälder – vor großen Herausforderungen durch Klimawandel und Waldumbau. Wenn Kinder hier selbst Bäume pflanzen und den Wald über viele Jahre begleiten, entsteht ein echtes Verständnis dafür, wie wichtig nachhaltige Waldpflege für kommende Generationen ist.“
Lars Metje, Revierförster im Forstrevier Neuhaus der Niedersächsischen Landesforsten, betont zudem den praktischen Ansatz: „Als Revierförster freut es mich besonders, dass die Grundschule nun Teil unseres Reviers wird. Die Kinder pflanzen hier nicht nur Bäume – sie helfen ganz praktisch dabei, einen klimastabilen Mischwald für die Zukunft aufzubauen. Zu sehen, wie junge Menschen Verantwortung für ‚ihren‘ Wald übernehmen, ist für uns Förster etwas ganz Besonderes.“
Gefördert wird das Umweltbildungsprojekt durch die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung. Unterstützt werden nach den vorliegenden Informationen insbesondere waldpädagogische Angebote und die Verpflegung der Kinder.
In den kommenden Tagen sollen weitere Pflanzungen folgen. Zusätzlich sind Informationstafeln, Schilder und Stationen geplant, die von den Kindern mitentwickelt werden. So wächst in Neuhaus nicht nur ein neuer Mischwald heran, sondern zugleich ein Projekt, das Schule, Natur und Ort langfristig miteinander verbinden soll.

Fotos: zir