Holzminden (red). Was vor einigen Jahren als kleiner Aufräumspaziergang begann, entwickelt sich Schritt für Schritt zu einer festen Größe im Holzmindener Veranstaltungskalender. Am 21. März 2026 heißt es erneut: Handschuhe an, Picker raus – der Nestputz steht an. Von 14 bis 16 Uhr wird die Innenstadt gemeinsam auf Vordermann gebracht, organisiert wie in den Vorjahren von Björn „Burn“ Schrader.
Der Termin ist bewusst gewählt: Einen Tag später startet mit dem Kükenfest traditionell das Veranstaltungsjahr in Holzminden – in diesem Jahr bereits zum 49. Mal. Verkaufsoffener Sonntag, zahlreiche Aussteller, viele Begegnungen in der Innenstadt. „Wenn das Kükenfest auf 49 Jahre kommt“, sagt Schrader mit einem Augenzwinkern, „dürfen wir beim Nestputz ruhig anfangen, an ähnlicher Beständigkeit zu arbeiten.“
Die Entwicklung spricht für sich: Waren es beim ersten Durchgang des Nestputz rund 25 Teilnehmende, zogen im vergangenen Jahr bereits knapp 80 Bürgerinnen und Bürger los. Für 2026 haben unter anderem die Feuerwehr und der Spielmannszug der Feuerwehr ihre Teilnahme angekündigt. Es wird also auch in 2026 wieder mit einer großen, fröhlichen Gruppe gerechnet. Doch für Schrader geht es um mehr als Müllsäcke.
„Ich werbe in den sozialen Medien immer wieder dafür, dass diejenigen, die ihre Stadt mögen und hier gerne leben, sich auch zeigen. Zu oft sind Kommentarspalten Echokammern derer, die vor allem das Schlechte sehen. Natürlich gibt es Herausforderungen – aber man kann sich entscheiden, ob man nur darüber spricht oder ob man anpackt. Auch der „little ugly Christmas Tree“ ist so ein Beispiel dafür, dass man mit gemeinsamer Anstrengung Dinge zum positiven verändern kann.“
Gerade Kinder und Jugendliche spielen für ihn dabei eine wichtige Rolle. In den vergangenen Jahren waren viele Familien mit dabei. „Wenn Kinder erleben, dass Erwachsene sich bücken, eine weggeworfene Chipstüte vom Boden aufheben oder eine achtlos liegen gelassene Kippe entsorgen, dann ist das gelebtes Vorbild. Das prägt mehr als jede Ermahnung.“ Der Nestputz soll genau diese Haltung stärken: aufmerksam durch die eigene Stadt gehen, nicht gedankenverloren Müll liegen lassen – und vielleicht auch einmal die Hinterlassenschaft eines Unbekannten einfach mit in den nächsten Mülleimer werfen. Nicht aus Pflichtgefühl, sondern aus Selbstverständlichkeit.
„Gemeinsinn entsteht nicht durch Posts, sondern durch Begegnung“, so Schrader. „Und wenn wir wollen, dass unsere Stadt lebendig bleibt, dann braucht es Menschen, die auch mal eine Lanze für sie brechen – online wie offline.“ Treffpunkt ist am 21. März um 14 Uhr am Marktplatz von Holzminden. Müllsäcke und Picker werden in begrenzter Menge durch die Stadtwerke Holzminden gestellt, die Sammelbereiche sind bereits eingeteilt. Wer hat, der kann gerne eigenes Material (für Kippen empfiehlt sich z.B. Handfeger und Kehrblech) mitführen und Handschuhe sind auf jeden Fall empfohlen – ebenso eine gut sichtbare Bekleidung. Gegen 16 Uhr endet die Aktion dann wieder mit einem gemeinsamen Bild am Markplatz in Holzminden.
Die Idee ist bewusst einfach: Erst gemeinsam das „Nest“ vorbereiten, dann am Sonntag gemeinsam feiern und den Frühling begrüßen. Wer mitmachen möchte, kommt einfach vorbei, wer kann, der meldet sich zwecks besserer Planung vorab per Mail unter
Eine lebendige und lebenswerte Stadt ist nicht frei von Problemen – sie lebt von den Bürgerinnen und Bürgern, die sich diesen Problemen annehmen.
Denn oft beginnt Tradition genau so: mit Menschen, die nicht nur reden, sondern handeln.
Weitere Informationen zur Aktion gibt auch hier als Video: https://www.youtube.com/watch?v=LxsI7__Dsg0
Foto: Sophia Haasper