Holzminden (zir). Mit einem geschlossenen Votum hat der Rat der Stadt Holzminden am 21. April eine Resolution verabschiedet, mit der die Zukunft der Fakultät Soziale Arbeit der HAWK am Standort Holzminden abgesichert werden soll. Das Gremium fordert das Land Niedersachsen auf, die offene Entscheidung über die künftige Unterbringung der Fakultät zügig und verbindlich zu treffen. Unter dem Dokument stehen die Unterschriften von Peter Matyssek für die CDU, Karl-Heinz Koch für die SPD, Alexander Titze für Bündnis 90/Die Grünen/Brill/Isermeyer/Winnefeld, Jens Ebert für die FDP, Gerd Schläger für die UWG/Wistuba sowie von Bürgermeister Christian Belke.
Zwei Wege stehen im Raum
Nach Darstellung des Rates will die Stadt beide derzeit diskutierten Varianten aktiv begleiten. Dabei geht es zum einen um die landeseigene Liegenschaft "Böntalstraße 44", in der das Katasteramt untergebracht ist, zum anderen um eine Mietlösung in der ehemaligen Commerzbank an der "Fürstenberger Straße 2". Für die mögliche Nutzung der Immobilie an der "Böntalstraße 44" bringt die Stadt zusätzlich die städtische Liegenschaft "Bahnhofstraße 31" ins Spiel. Dort könnten Beschäftigte des Katasteramtes bis Januar 2027 auf bis zu zwölf Bildschirmarbeitsplätzen arbeiten. Dieses Angebot soll in die Berechnungen einfließen.
Aus Sicht des Rates braucht es nun einen festen Zeitplan. Bis Ende des 2. Quartals 2026 sollen die finanziellen und zeitlichen Auswirkungen der Umbauvariante ebenso vorliegen wie die durch einen städtischen Zuschuss geminderten Kosten der Mietlösung. Spätestens bis Ende des 3. Quartals 2026 soll dann bewertet werden, welche Lösung tragfähiger ist. Daran anschließend soll die Entscheidung fallen, damit die Umsetzung noch 2026 oder spätestens im 1. Halbjahr 2027 anlaufen kann. Ziel bleibt eine dauerhafte Sicherung des Studienstandortes und seiner organisatorischen wie räumlichen Perspektive.
Hohe Bedeutung für Holzminden und die Region
In der Resolution macht der Rat deutlich, welche Rolle die Fakultät aus seiner Sicht für Holzminden und das Umland spielt. Seit 2003 habe sich der Standort zu einem wichtigen Zentrum für Lehre und Forschung entwickelt. Verwiesen wird auf mehr als 1.150 Absolventinnen und Absolventen in den vergangenen 20 Jahren, 20 betreute Promotionen sowie 20 Forschungs- und Entwicklungsprojekte mit einem Volumen von rund 6,2 Millionen Euro.
Darüber hinaus betont das Papier die enge Verbindung der Fakultät mit der Region. Genannt werden Beiträge zur Ausbildung von Fachkräften, zur Zusammenarbeit mit Kommunen und Praxiseinrichtungen sowie Forschungsarbeit zu Themen, die besonders für ländliche Räume relevant sind. Auch für die Entwicklung vor Ort misst der Rat der Fakultät großes Gewicht bei, etwa mit Blick auf Teilhabe, regionale Bindung junger Menschen und die Stärkung lokaler Strukturen.
Rat warnt vor weiterem Hinauszögern
Gleichzeitig beschreibt der Rat die derzeitige Lage als zunehmend problematisch. Nach seiner Darstellung fehlt weiterhin eine politische Festlegung des Landes, während mögliche Alternativen für den ursprünglich vorgesehenen Ersatzneubau in einem kaum nachvollziehbaren Prüfverfahren festhingen. Für Studierende, Lehrende, Beschäftigte und Partner vor Ort bedeute das anhaltende Unsicherheit.
Sollte eine Entscheidung weiter auf sich warten lassen, rechnet der Rat mit spürbaren Folgen. In der Resolution ist unter anderem von sinkenden Absolventenzahlen, verschärftem Fachkräftemangel im sozialen Bereich und Belastungen für soziale Dienstleistungen die Rede. Hinzu kämen mögliche Rückgänge bei Studierendenzahlen, weniger Kaufkraft, eine stärkere Abwanderung junger Menschen und Nachteile für die Entwicklung der gesamten Region. Auch die Attraktivität des Hochschulstandortes und die Gewinnung qualifizierten Personals könnten darunter leiden.
Aus Sicht des Rates ist der derzeitige Zustand deshalb nicht länger vertretbar. Mit der Resolution verbindet die Stadt die klare Erwartung, dass das Land Niedersachsen nun rasch zu einer tragfähigen Entscheidung kommt. Zugleich signalisiert Holzminden Unterstützung: Falls Informationen aus der Stadtverwaltung benötigt werden, stellt die Stadt kurzfristige Zuarbeit in Aussicht.
Fotos: zir