Holzminden (red). Wie kann Schule junge Menschen darin unterstützen, auf sich selbst zu achten, mit Herausforderungen umzugehen und zugleich offen für andere Perspektiven zu bleiben? Mit dieser Frage beschäftigten sich griechische und deutsche Schülerinnen und Schüler im Rahmen des Erasmus+-Projekts „W.E.L.L.-Being“ am Campe-Gymnasium in Holzminden. Vom 26. bis 30. April 2026 waren 15 griechische Schülerinnen und Schüler sowie zwei Lehrkräfte der Partnerschule aus Pyrgos zu Gast.
Internationale Begegnung mit Blick auf Wohlbefinden
Im Mittelpunkt des Gegenbesuchs standen nicht nur die internationale Begegnung und der schulische Austausch, sondern auch die aktive Auseinandersetzung mit physischem und psychischem Wohlbefinden, Resilienz, Selbstwahrnehmung und interkultureller Verständigung. Nach der offiziellen Begrüßung durch Schulleiterin Frau Schroth nahmen die Gäste am Unterricht teil und erhielten Einblicke in den Schulalltag am Campe-Gymnasium.
Die folgenden Projekttage verbanden gemeinsame Arbeit in der Schule mit Besuchen außerschulischer Lernorte. In der täglichen Projektarbeit wurden thematische Schwerpunkte vorbereitet, zentrale Fragestellungen entwickelt sowie sprachliche und inhaltliche Zugänge geschaffen. Die Lernorte außerhalb der Schule eröffneten unterschiedliche Perspektiven auf regionale Identität, kulturelles Erbe, Naturerfahrung und persönliche Wahrnehmung. Das Weserbergland wurde damit nicht nur zur Kulisse des Austauschs, sondern selbst zum Lernraum.
Natur, Kultur und persönliche Wahrnehmung
Im Wildpark Neuhaus setzten sich die Schülerinnen und Schüler mit Naturerfahrungen auseinander. Ruhe, Aktivierung und persönliche Wohlfühlorte wurden nicht nur erlebt, sondern auch reflektiert und in Beziehung zum eigenen Wohlbefinden gesetzt.
In der Porzellanmanufaktur Fürstenberg wurde regionale Kultur- und Handwerksgeschichte zu einem aktiven Lernfeld. Das Programm war gemeinsam mit der erfahrenen Museumspädagogin Isabell Pagalies vorbereitet worden. In binationalen Teams erarbeiteten sich die Jugendlichen verschiedene Perspektiven, die Porzellan mit dem Projektthema verbanden.
Die Schülerinnen und Schüler erschlossen sich die Museumsausstellung mithilfe der Ausstellungsobjekte, im Gespräch mit dem Experten der Besucherwerkstatt und durch eigene praktische Erfahrungen. Besonders anschaulich wurde dies bei einem kleinen Tischgestaltungswettbewerb: Aus einer großen Auswahl an Porzellan sollten die binationalen Teams innerhalb von zehn Minuten gemeinsam einen Tisch stimmig decken. Dabei wurden nicht nur Fragen von Design, Haptik und Atmosphäre verhandelt, sondern auch kulturell geprägte Vorstellungen von Gastlichkeit, Gemeinschaft und Ästhetik sichtbar.
Auf Grundlage dieser unterschiedlichen Elemente gestalteten die Schülerinnen und Schüler schließlich selbst eine Führung durch das Museum für die gesamte Gruppe. Sie erklärten ausgewählte Objekte, verknüpften ihre Beobachtungen mit den jeweiligen Themenschwerpunkten und stellten Bezüge zum Projektthema „Well-Being“ her.
Perspektiven, Emotionen und Erinnerungen
Ein weiterer Programmpunkt führte nach Paderborn. Im Diözesanmuseum standen Fragen nach Spiritualität, innerer Orientierung und Sinnbezügen im Zusammenhang mit „Well-Being“ im Fokus. In Höxter besuchte die Gruppe das Forum Anja Niedringhaus und setzte sich mit Fotografie, Perspektiven, Emotionen und gesellschaftlicher Verantwortung auseinander.
Den Abschluss der inhaltlichen Projektarbeit bildete ein Besuch im Duftmuseum Sensoria. Dort wurden Gerüche, Erinnerungen und Emotionen als besondere Zugänge zum Thema Wohlbefinden erfahrbar. Vor dem Hintergrund dieser Eindrücke und der vielfältigen Impressionen der Projekttage kreierten die Schülerinnen und Schüler abschließend in binationalen Teams, eingeteilt nach individuellen Duftvorlieben, ein gemeinsames Parfum im Duftlabor. Es diente zugleich als bleibende Erinnerung an die gemeinsame Zeit in Holzminden.
Europäisches Lernen nachhaltig verankert
Der Besuch der griechischen Partnerschule endete mit einer gemeinsamen Abschiedsfeier. Zurück blieben viele Eindrücke, neue Freundschaften und ein vertieftes Verständnis dafür, wie europäisches Lernen, regionale Lernorte und persönliche Entwicklung miteinander verbunden werden können. „Well-Being“ wurde dabei nicht als Entspannungsprogramm verstanden. Die Schülerinnen und Schüler lernten, eigene Eindrücke bewusster wahrzunehmen, unterschiedliche Sichtweisen zu vergleichen, Erfahrungen sprachlich auszudrücken und gemeinsam kreative Ergebnisse zu entwickeln.
Das Projekt zeigt nach Angaben der Schule, wie eng Erasmus+ und eTwinning am Campe-Gymnasium miteinander verbunden sind. Die digitale europäische Zusammenarbeit über eTwinning unterstützt die Vorbereitung, Begleitung und Nachbereitung solcher Begegnungen und macht die Projektarbeit über die persönliche Begegnung hinaus nachhaltig.
Die europäische Ausrichtung des Campe-Gymnasiums wird auch durch die Auszeichnung als eTwinning-Schule sichtbar. Das eTwinning-Schulsiegel wird von der zentralen Koordinierungsstelle für den digitalen europaweiten Austausch im Rahmen des EU-Programms Erasmus+ in Brüssel vergeben. Es würdigt Schulen, die die Werte und pädagogischen Grundlagen von eTwinning als Baustein der Schulentwicklung institutionalisiert haben.
Für das Campe-Gymnasium ist die Auszeichnung ein wichtiger Qualitätsnachweis. Sie zeigt, dass europäische Projektarbeit professionell aufgebaut, pädagogisch begründet und nachhaltig in der Schule verankert ist. eTwinning-Schulen nehmen darüber hinaus eine Vorbildfunktion ein und sind wichtige Bezugspunkte für ihr lokales Umfeld. Die Lehrkräfte der ausgezeichneten Schulen bilden ein europäisches Netzwerk für vielfältigen Erfahrungsaustausch, digitale Projekte und interkulturelle Zusammenarbeit. In diesem Jahr erhielten bundesweit 22 Schulen aus elf Bundesländern das Siegel.
Die Ernennung einer Lehrkraft des Campe-Gymnasiums zu einer von fünf eTwinning-Moderatorinnen und -Moderatoren in Niedersachsen ermöglicht es zudem, die aufgebaute Expertise an andere Schulen weiterzugeben. Das Campe-Gymnasium bringt damit eigene Erfahrungen aus Erasmus+ und eTwinning in größere Netzwerke ein und setzt Impulse für europäische Projektarbeit in der Region.
Fotos: Campe-Gymnasium Holzminden